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Babyzeichensprache als Frühförderung? – Gebärdenwerkstatt

Babyzeichensprache als Frühförderung?

„Das Nutzen von Gebärden mit Babys und Kleinkindern fördert Kommunikation, Mutter- und Fremdsprachen, Bindung und vieles mehr.“ Auf diese oder ähnliche Art werden Babyzeichen-Kurse und -Bücher in der Regel angepriesen. Das können wir inhaltlich sogar im Ansatz bestätigen. In Anbetracht des aktuellen Umgangs mit Förderung hegen wir aber den Verdacht, dass der Begriff „Förderung“ überwiegend missverstanden wird, mit der Folge, dass in der Praxis falsche Methoden angewendet werden. Auch wenn das Nutzen von Gebärden wirklich Sprache, Bindung und einiges andere positiv unterstützt, finden wir das, was daraus teilweise gemacht wird, sehr fatal. Denn einige Anbieter, aber auch Eltern und Erzieher, die Babyzeichensprache nutzen, werten die Fakten als Auftrag und Legitimation zum Starten eines neuen Förderprogrammes. Ähnliches gilt übrigens auch für andere Bereiche der Erziehung und Kulturtechniken, und selbst vor dem Freizeit- und Sportbereich von Kindern machen Förderprogramme, die oft als leistungsorientierte Programme gehandhabt werden, keinen Halt mehr.

Menschen, allen voran Kinder, wollen wachsen und zwar über sich hinaus. Dieses Bedürfnis ist umso tiefer im Menschen verankert, je länger das Kind die positive Erfahrung macht, hinzulernen und wachsen zu können (vgl. Hüther und Weser 2011, 127). Aus dieser Tatsache könnte man einen Förderauftrag ableiten und tatsächlich scheint das die übliche Interpretation zu sein. Aber ist das wirklich die einzig denkbare Schlussfolgerung? Das Missverständnis beruht darauf – so jedenfalls unsere Überzeugung -, dass die Gesellschaft den Willen des Kindes („Ich will mich selbst herausfordern und damit über mich selbst hinauswachsen.“) als Auftrag („Wir müssen unsere Kinder fördern!“) fehlinterpretiert. Aus dieser Einstellung heraus wird ein Förderprogramm – allzu oft in Verbindung mit Leistungs- und Erfolgsdruck – erstellt. In den „Förderprogrammen“ wird von Gesellschaft, Schule oder Kita definiert, was das Kind können muss, um der Norm zu entsprechen. Erfüllt es diese Erwartung nicht, wird ein Defizit unterstellt, das es durch Förderprogramme auszugleichen gilt. Nach unserer Auffassung befinden sich die Defizite in den seltensten Fällen auf Seiten der Kinder.

Der international renommierte Kinderarzt und Autor Remo Largo beschreibt in seinem Buch „Babyjahre“ seine Einstellung zur Förderung folgendermaßen: „Eltern müssen sich nicht ständig aktiv darum bemühen, damit ihr Kind Fortschritte macht. Es braucht nicht >>gefördert<< zu werden. Das Kind entwickelt sich aus sich heraus, solange sein körperliches und psychisches Wohlbefinden gewährleistet ist und es entwicklungsspezifische Erfahrungen machen kann. Es ist die Aufgabe der Eltern, den Alltag ihres Kindes so zu gestalten, dass es diese Erfahrungen machen kann. Es geht also weit weniger darum, dem Kind etwas beizubringen, vielmehr soll seine Neugierde für Sprache, Motorik oder Spiel entwicklungsgerecht befriedigt werden.“ (Largo 2010, S. 20). Dieser Meinung schließen wir uns uneingeschränkt an. Es sei betont, dass wir nicht grundsätzlich gegen Förderung sind; auch wir selbst verwenden des Öfteren Begriffe wie Fördern und Förderung. In der Praxis sehen wir indes vordringlich die Aufgabe, die Neugier der Kinder auf Sprache – Handgesten und Gebärden eingeschlossen – zu befriedigen und ihnen einen ganzheitlichen Zugang zur Sprache zu ermöglichen. Ganz wichtig dabei ist: Das „Wie“ und „Warum“ ist entscheidend!

Vergleichen wir das Förderprogramm einmal mit einem Fahrplan oder einem Routenplaner: Es gibt verschiedene Wege zum Erreichen des Ziels, es gibt verschiedene Fortbewegungsmittel, es gibt Zwischenstationen und es gibt Ziele. Das Ziel steht fest, wir wollen Kommunikation unterstützen. Als Weg dorthin haben wir Babyzeichen – im günstigsten Fall in Form der ganzheitlichen Kommunikation – gewählt. Nun aber stellen sich Fragen, um die sich Förderprogramme kaum kümmern:

In welches Fahrzeug setzen wir uns mit den Kindern, um den Fahrplan einzuhalten? Auf das Thema Babyzeichensprache bezogen würde die Frage lauten: Welche Methoden nutzen wir, damit das Kind Gebärden zeigen und verstehen kann? Weitere Fragen könnten lauten: Was tun bei Baustelle, Stau, unbefahrbarem Weg? Ist es wirklich notwendig, den Fahrplan oder die Route einzuhalten? Darf man zwischendurch auch mal aussteigen?

Wir haben als Eltern, Großeltern, Erzieher die Möglichkeit, uns mit unseren Kindern entweder in ein Schienenfahrzeug zu setzen, also ein Fahrzeug, welches auf nur einem Gleis mit nur einem Ziel und vordefinierten Zwischenstopps fährt. Dies erfordert meist weniger Arbeit, man kann getrost auf „Autopilot“ stellen. Oder wir entscheiden uns für ein eigenes Auto, welches flexibel im Einsatz ist, diverse Richtungen und Strecken und bei Bedarf sogar rückwärtsfahren kann und wir können zwischendurch sogar aussteigen.

Das Ziel der Autofahrer mag dasselbe sein, wie das der Zugfahrer. Aber die Autofahrer können Route, Fahrplan, Zwischenstopps und Pausen viel leichter korrigieren und individuell anpassen. Das erfordert natürlich mehr Aufmerksamkeit und Energie, Mehraufwand und Arbeit. Wir nehmen den erschwerten Weg aber gerne in Kauf, wenn wir dadurch frei sind für dynamische Veränderungen. Das ist für uns der einzig brauchbare Weg im Umgang mit Kommunikation. Die (bildhafte) Zugfahrt, bei der Strecke, Zwischenstationen, Zeitplan und Ziel vorprogrammiert sind und lediglich abgefahren werden, ist für uns nicht akzeptabel und geht u.E. an den Bedürfnissen und der Entwicklung der Kinder vorbei.

Einen Fahrplan und ein Ziel zu haben, ist demnach nicht das verkehrteste, aber wählen Sie bitte Ihrer Haltung entsprechend das Fahrzeug sorgfältig aus. Es soll also bei der Förderung nicht darum gehen, „ob“ oder „was“ wir vermitteln wollen, sondern darum, „wie“ und „warum“ wir es dem Kind anbieten. Eine aus unserer Sicht sinnvolle Förderung orientiert sich nicht an Vorgaben oder Erwartungshaltungen und hat auch nicht das – im klassischen Sinne – „Vermitteln von Lehrstoffen“ zum Ziel, sondern sollte ein Angebot darstellen, an dem sich Kinder frei bedienen können, in ihrem eigenen Tempo, in selbst gewähltem Umfang und frei von Erfolgsdruck und unfairer Beurteilung. Und selbstverständlich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert.

Um die Ausgangsfrage zu beantworten: Sie können Babyzeichensprache zur Frühförderung nutzen, wenn Sie es richtig machen. Frühförderung, wie sie derzeit – nicht nur in Babyzeichensprache – überwiegend verstanden und umgesetzt wird, halten wir jedoch für unbrauchbar. Solange hinsichtlich Motivation, Methodik und Haltung kein Umdenken stattfindet, raten wir von jeglichen Frühförderprogrammen ab.

Lege die Vorstellung, Dein Kind im klassischen Sinne fördern zu müssen, einfach ad acta.

Bemühe Dich stattdessen um einen Blick für die Bedürfnisse Deines Kindes und genieße die dank Gebärden intensivere gemeinsame Kommunikation, das gemeinsame Spiel. Dass Ihr Euch gemeinsam um etwas bemüht, gemeinsam etwas erreicht und gemeinsam Spaß daran habt, ist eine Form von Beziehungsarbeit. Die Fähigkeit zu verbessern, gute Beziehungen aufzubauen, bezeichnen Hüther und Hauser in ihrem Buch „Jedes Kind ist hochbegabt“ als die wichtigste „Entwicklungshilfe“. (vgl. Hüther und Hauser 2012, S. 105) Das zu erreichen sind Babyzeichen in herausragender Weise geeignet. Die daraus resultierende wechselseitige Beziehung und Bindung ist „das gewisse Etwas“, das Menschen brauchen, um zu wachsen und die Fähigkeit zu erlangen, aus sich selbst heraus zu lernen. Wie Du Gebärden mit Deinem Kind gemeinsam anwendest, was es zu vermeiden gilt und warum Du Gebärden benutzen solltest, erfahrst Du im Teil 2 unseres Buches „Zauberhafte Babyhände„.

zauberhafte babyhände - eltern ratgeber babyzeichenAlle Grundlagen findest Du in unserem Eltern-Ratgeber "Zauberhafte Babyhände".

By | 2017-08-10T06:31:38+00:00 9. August 2016|Einführung & Grundlagen, Entwicklung, Neuigkeiten|0 Kommentare

Über den Autor:

Autorin und Expertin für Babyzeichensprache – Geschäftsinhaberin der Gebärdenwerkstatt: Schwerpunkt ihrer selbstständigen Arbeit ist die ganzheitliche Förderung in der frühkindlichen Kommunikation mittels Gebärden unterstützter Kommunikation (GuK) und Babyzeichensprache.

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