Können wir andere Gebärden nutzen?

Ja, jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Gebärden für ihn passend sind. Es gibt hier kein richtig oder falsch. Unsere Empfehlung ist dennoch, sich vorrangig an den Vorgaben der DGS zu orientieren und diese als Basis anzusehen. Diese Gebärden können falls erforderlich vereinfacht oder einhändig ausgeführt werden. Erst wenn die Gebärden danach immer noch zu schwer erscheinen, sollten andere Gebärden gewählt werden. Orientieren Sie sich dann an Gebärdensprachen anderer Länder.

Es kann durchaus vorkommen, dass eine Gebärde aus einem anderen Land für das Kind besser geeignet ist, als die entsprechende DGS-Gebärde, die ja – wie oben bereits geschildert – auch je nach Region unterschiedlich sein kann. Denken wir z.B. an ein Kind mit einer spastischen Lähmung, welches nur eine Hand zur Verfügung hat, müssen wir feststellen, dass einige DGS-Gebärden – z.B. die für Mütze – für dieses Kind nur sehr schwer auszuüben wären, da dafür zwei Hände in raschem Bewegungsablauf benötigt werden.

In der englischen Gebärdensprache BSL (british sign language) ist das Zeichen für Mütze wesentlich einfacher. Dort wird nur eine Hand genutzt, indem durch Berührung des Kopfes mit der flachen Hand die Mütze angedeutet wird. Denken wir an Inklusion, bietet sich gerade bei Kindern mit körperlichen Einschränkungen (z.B. Spastik) die einfachere Gebärde aus der englischen Gebärdensprache an. Auch Eltern werden bisweilen sicher dankbar sein, wenn sie eine vereinfachte Gebärde mit nur einer Hand ausführen können, insbesondere dann, wenn sie ihr Kind gerade mal wieder auf dem Arm tragen.

Zudem sei gesagt: Den Kindern ist es völlig egal, woher die Zeichen stammen. Sie kennen die verschiedenen Länder, deren Sprachen und deren Gebärdensprachen nicht. Sie möchten sich einfach nur mitteilen, insbesondere wenn ihre Sprachentwicklung verzögert ist oder das Sprechen aus medizinischen Gründen nicht oder kaum möglich ist. Eine hundertprozentige Übereinstimmung mit der DGS wäre sicher von Vorteil in der Kommunikation mit oder unter Gehörlosen. Im Sinne der Inklusion gehörloser Kinder ist dies durchaus angebracht. Berücksichtigen wir aber auch die Inklusion körperlich beeinträchtigter Kinder (siehe Beispiel oben, Spastik), ist die Wahl von Nicht-DGS-Gebärden ebenso berechtigt. Es gibt einige Lehrmeinungen, die sich ganz bewusst und ausdrücklich auf DGS-Gebärden konzentrieren und betonen, dass ausschließlich diese Gebärden genutzt und auch nicht vereinfacht werden sollten. Aus den vorstehenden Gründen sehen wir Abweichungen von der DGS nicht als tragisch, sondern als vertretbar an. Mehr noch, im Einzelfall kann es sogar wichtig und hilfreich sein, von der DGS abzuweichen oder die DGS-Gebärden leicht anzupassen, zu vereinfachen.

 

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Über den Autor:

Autorin und Expertin für Babyzeichensprache – Geschäftsinhaberin der Gebärdenwerkstatt: Schwerpunkt ihrer selbstständigen Arbeit ist die ganzheitliche Förderung in der frühkindlichen Kommunikation mittels Gebärden unterstützter Kommunikation (GuK) und Babyzeichensprache.

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